Zugunglück

Am 09.02.1971 wurde um 18:50 Uhr die Freiwillige Feuerwehr Aitrang zu einem Einsatz alarmiert.
Ihnen bat ein sich katastrophales Bild, der schlimmste Unfall in der Geschichte der Gemeinde Aitrang.

Doch von vorne:
Es ist Dienstag, der 09. Februar 1971. Es ist kalt, dunkel und neblig.

Am nördlichen Ortsausgang in der S-Kurve bei km 34,344 entgleiste der von München Richtung Zürich fahrende TEE 56 Bavaria, da dieser in der Kurve zu schnell unterwegs war. Die ersten beiden Wägen kippten die Gleisböschung herab und kamen im Bachbett zum erliegen. Die nachfolgenden Wägen stellten sich quer und kippten teils auf das entgegenkommende Gleis.

Zur gleichen Zeit war bereits ein Schienenbus des Typs VT 98 von Kempten kommend unterwegs. Da der Fahrdienstleiter im Bahnhof Aitrang den Unfall nicht bemerkte, er jedoch eine Gleisbesetztmeldung auf seinem Gleisbild erhielt, nahm er sofort die Einfahrt für den Schienenbus zurück. Der Zugführer konnte jedoch seinen Zug nicht mehr rechtzeitig bremsen, wodurch der Schienenbus wenige Minuten später mit dem verunglückten TEE kollidierte.

Die Kammeraden der Feuerwehr Aitrang als Ortswehr waren die ersten hinzugeeilten Helfer, für die sich ein fürchterlicher Anblick bot. Umgestürzte Waggons, Verletzte und Leichenteile lagen über eine große Fläche zerstreut. Die damalige gut ausgebildete Sanitätskolone aus Aitrang bewährte sich bei diesem Einsatz unter der Führung von Josef Wagner. Bei diesem Einsatz waren auch die Feuerwehren der gesamten Umgebung im Einsatz. Zudem halfen zig Privatpersonen aus Aitrang.

Durch das Unglück verstarben 28 Tote, 19 Personen wurden schwer verletzt und 23 leicht verletzt.
Hiervon sind zwei verstorbene und sechs verletzte aus dem entgegen kommenden Schienenbus aus Kempten.

Verschiedene Theorien könnten Grund gewesen sein:

  • ein Defekt der Steuerventile der Bremsen
  • Ausfall der Druckluftbremse auf Grund von gefrorenem Kondenswasser
  • Ortsverwechslung des Lokführers aufgrund des Nebels

Die Ursache des Unglücks ist jedoch bis heute nicht endgültig geklärt.

Der Gemeindename Aitrang ging durch das Ereignis die Weltpresse. Die Hilfsdienste, die Sanitäter und Wehrmänner, die bei den Verletzten und der Totenbergung Hilfe leisteten, fanden besondere Anerkennung durch einen Empfang bei Bundespräsident Heinemann in Bonn, wo stellvertretend für alle Helfer Kommandant Hartmann gedankt wurde. Weiter waren in Bonn vertreten Georg Merk, Eduard Nieberle, von der Sanitätsgruppe Albrecht Wagner, sowie Frau Baumann und Bürgermeister Anton Bräckle.
Die deutsche Bundesbahn bedankte sich bei der Feuerwehr durch die Schenkung eines Notstromaggregates.

Im Jahr 2012 wurde ein Gedenkstein in der Nähe der Unglückstelle durch die Gemeinde Aitrang errichtet.

Im August im Jahr 2021 erinnerten sich die Menschen in Aitrang zum 50sten Jahrestag der Katastrophe mit einem Gedenkgottesdienst und die kirchliche Weihe einer neuen Gedenkstätte. An dieser sind zum Gedenken die Namen der Verstorbenen des Zugunglücks niedergeschrieben. Eine Informationstafel neben dem Denkmal bietet zudem weitere Informationen zu dem verehrenden Ereignis in der Unglücksnacht.

Das Feuerwehrmuseum Kaufbeuren-Ostallgäu in Kaufbeuren eröffnete eine Sonderausstellung mit Zeitzeugenberichten, Zeitungsartikeln, Fotos, Filmen, Originalteile des verunglückten TEE und ein Diorama als Gedenken an das Unglück. Das in 500 Arbeitsstunden nachgebaute Modell im Maßstab 1:87 zeigt die Bergungsarbeiten am Tag nach dem Unfall. Die Sonderausstellung kann bis Ende 2022 im Feuerwehrmuseum besichtigt werden. Weitere Informationen rund um die Ausstellung finden Sie auf der Webseite des Feuerwehrmuseum Kaufbeuren-Ostallgäu e.V. (externer Link).


Quellen:
Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Eisenbahnunfall_von_Aitrang)
Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Eisenbahnunf%C3%A4llen_in_Deutschland)
BR24 (https://www.br.de/nachrichten/bayern/erinnerung-an-das-zugunglueck-von-aitrang-vor-50-jahren,SaWKFBT)
Feuerwehrmuseum Kaufbeuren-Ostallgäu (https://fwm-kf-oal.de/de/aktivitaeten/2021/gedenktag-zum-eisenbahnunglueck)